NABU Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof

Natur erleben - Natur erfahren - Natur genießen

(c)NABU/L. Bünger
(c)NABU/L. Bünger

Der Rolfsche Hof in Detmold - Berlebeck ist die Umweltbildungseinrichtung des NABU Lippe. Der Hof liegt in landschaftlich reizvoller Lage inmitten des Naturparks Teutoburger Wald. Er ist eingebettet in ein 25 ha großes Mosaik aus Wiesen, Weiden, Hecken und Wäldern und lädt dazu ein, die typisch lippische Landschaft besser kennen zu lernen.

 

Natur erfahren, Natur erleben - unter diesem Motto hat die NABU Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof ein vielfältiges Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche entwickelt. Junge Menschen für Natur und Umwelt zu begeistern, sie umsichtig an diese heranzuführen und als Wert schätzen zu lernen ist das Ziel unserer Einrichtung. Auf spielerische Art und Weise und mit allen Sinnen können Kinder die Natur erforschen und aktiv eigene Erfahrungen machen. Dabei Interesse an der Natur zu wecken und Verständnis für ökologische Zusammenhänge und die Schutzwürdigkeit der Landschaft als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen zu vermitteln - auf diese Weise wird „Lehrstoff“ erfahrbar gemacht und Kinder können eine persönliche, gefühlsorientierte Beziehung zur Natur entwickeln. Die nachfolgende Generation kann so für den Umweltschutz sensibilisiert und begeistert werden. Dabei kommt uns das abwechslungsreiche Umfeld des Hofes zu Gute. Angefangen bei von Quellbächen durchzogenen, mysteriösen Feuchtwäldern, artenreichen Niederwäldern mit knorrigen Baumgestalten und erhabenen Hochwäldern, über Steinbrüche, bunt blühende Magerwiesen und bucklige Weiden bis hin zu einer von Trockenheit geprägten Bergheide im nahe gelegenen Naturschutzgebiet „Hohe Warte“ findet sich hier eine für den Detmolder Raum einzigartige Vielfalt an Lebensräumen.

 

Die Natur als außerschulischer Lernort, als „grünes Klassenzimmer“ wird zunehmend von Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen wahrgenommen. Mittlerweile finden jährlich zwischen 200 und 250 Veranstaltungen statt. Über 20.000 Menschen nutzten bisher die Bildungsangebote am Rolfschen Hof. Wichtige Zielgruppen sind Schulklassen und Gruppen aus offenen Ganztagsschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten.

Geschichte des Rolfschen Hofes

Der Rolfsche Hof existiert als Hofstelle bereits seit dem Mittelalter. Er war ursprünglich eine kleinbäuerliche Kötterstätte, umgeben von einer sich handtuchartig erstreckenden Hagenhufenflur.

Hagenhufensiedlungen entstanden zwischen 1170 und 1220 vor allem in den ehemaligen Grafschaften Lippe und Schaumburg. Die Landesherren überließen den Siedlern mit Wald bedeckte Parzellen (Hufen), die diese roden und urbar machen mußten. Damit einher ging die die persönliche Freiheit für die Siedler und der Wegfall persönlicher Abgaben. Ein eigenes "Hägerrecht" gewährte den Siedlern diese Vorteile.

Die Geschwister Rolf bei der Heuernte im Sommer 1985
Die Geschwister Rolf bei der Heuernte im Sommer 1985

Die letzten Besitzer, das Geschwisterpaar Fritz und Lina Rolf, lebten bis in die 90er Jahre in dem 1899 errichteten Gebäude. Sie betrieben mit einigen Hühnern und Kühen eine kleine Landwirtschaft. Nach dem Tode Fritz Rolfs stand das Gebäude einige Jahre leer und verfiel zusehends.

 1998 erwarb die STAFF Stiftung den Hof mitsamt dem Gelände und stellte ihn dem NABU zur Verfügung. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten konnte die Umweltbildungsstätte 2005 offiziell eröffnet werden.

 

Die Gärten am Rolfschen Hof

Der Garten rund um das Hofgebäude ist ein NATURNAHER Garten. Heimische Arten haben Vorrang und man orientiert sich am Beispiel natürlicher Pflanzengemeinschaften. Es sind recht pflegeleichte Gärten, die einer eigenen Dynamik unterliegen, da die Wildarten sich aussäen und somit vermehren können. So entstehen echte Naturerlebnisgärten – nicht nur für Kinder… Auch die Artenvielfalt in einem naturnahen Garten ist ungleich höher als in anderen Gärten. Durch Trockenmauern, Zäune, Wege, Nisthilfen und die richtige Pflanzenwahl werden Lebensräume für Mensch, Tier und Pflanze geschaffen.

Am Nordhang des Hahnberges entstand 2010 in einem arbeitsreichen Jahr ein WALDGARTEN. Möglich gemacht wurde dies durch die Unterstützung der Adolf - Deppe - Stiftung. Dipl. -Ing. Stefan Wrobel aus Detmold hat die Anlage geplant und die Ausführung fachlich begleitet. Die Arbeiten wurden durchgeführt von einer Arbeitsgruppe der Euwatec.

 

Was ist ein Waldgarten?

Die nachhaltigste und schonendste Art der Landwirtschaft ist die, die den Bedingungen des Standortes (Region, Klima, Boden etc.) und seiner natürlichen Vegetation am nächsten kommt.

Bei uns in Mitteleuropa ist das an den meisten Standorten der Wald. Sämtliche anderen Bewirtschaftungsformen benötigen eine ständige Kultivierung durch den Menschen oder seine Weidetiere - ein hoher Energieeinsatz ist notwendig.

Bei der Anlage bzw. Nutzung eines Waldgartens ist dieser hohe Energieeinsatz nicht nötig. Statt gegen die Natur zu arbeiten und bestimmte Vegetationstypen künstlich durchsetzen zu wollen, arbeitet man mit dieser Methode mit der Natur statt gegen sie. Wo ohne den Menschen eh Wald wachsen würde, ist der Waldgarten eine clevere Alternative der Kultivierung.

Waldgärten sind absolut nichts Neues. Die Menschen und Völker vor allem des Tropengürtels nutzen den Wald in dieser Form schon seit Jahrhunderten.

Die Charakteristika eines Waldgartens:
- die Schichtung der Vegetation
- Baumschicht (Obst- und Nußbäume)
- Strauchschicht (Beeren- und Nußsträucher)
- Krautschicht (mehrjährige Gemüsearten und Kräuter)
- ausdauernde Arten
- kaum Bodenbearbeitung
- Pflanzen wachsen in Gemeinschaften

Waldgärten sind also dazu da, Nahrung auf naturgemäße Art und Weise zu produzieren und sind damit auch gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Das Produktivste am Waldgarten sind seine Ränder, denn hier gibt es sehr viel Licht - je mehr waldrandartige Bereiche es im Waldgarten also gibt, desto höher sind die Erträge.
Für die kommerzielle Nutzung und Bewirtschaftung ist diese Methode sicher nur sehr eingeschränkt möglich, aber für den Hausgarten bieten sich hervorragende neue Möglichkeiten.
In Europa gibt es bislang noch wenige solcher Gärten - es gilt also noch viel Neues zu entdecken. Die nächsten Waldgärten gibt es in Wuppertal, Pommritz und Swalmen (NL).