Archiv Leopoldshöhe


Wahre Anpassungskünstler - Habichtskräuter

Blüht zitronengelb: das Kleine Habichtskraut
Blüht zitronengelb: das Kleine Habichtskraut

Habichtskräuter bilden in Deutschland eine Pflanzengattung mit mehr als 170 Arten, die sehr formenreich sind und zur Familie der Korbblütler(Asteraceae) zählen. Die meisten, überwiegend hellgelb blühenden und oft in Rasengesellschaften vorzufindenden Habichtskrautarten nehmen eine wichtige Funktion als Insektenpflanzen ein. Als schöne Wildpflanzen für sonnige Mauern und andere Trockenstandorte werden sie von Bienenverwandten,  Schwebfliegen und etlichen Falterarten angeflogen. Das Kleine Habichtskraut ist in ganz Europa verbreitet und kommt häufig an nährstoffarmen Wegen und kurzgrasigen Rainen, auf Trockenrasen, in Viehweiden, an Mauern und in Heiden sowie in lichten Wäldern vor, besiedelt auch Sandgruben sowie nackte Felsspalten- allesamt stickstoffarme Standorte. Bei Sonnenschein sind die Blüten bei dieser auch Mausohr genannten, nur 5-15 cm hoch werdenden Habichtskrautart von 8 bis etwa15 Uhr geöffnet- genug Zeit, um bestäubende Insekten anzulocken.

Das Orangerote Habichtskraut, eine relativ langstielige, bis zu 40 cm hoch werdende, reich behaarte Halbrosettenpflanze, ist die einzige orangeblühende Habichtskrautart-eine echte Rarität, was die Blütenfarbe betrifft. Denn unsere heimische Wildpflanzenflora bietet ansonsten so gut wie kein Orange an. 
Mittlerweile finden wir diese Pflanze überall in unserer Umgebung – auf Magerwiesen, an Straßenrändern, im Brachland- und zunehmend auch in Gärten.
Wo sie sich dort im Rasen eingefunden hat, ist Obacht angebracht, soll die schöne Pracht nicht zur Plage ausarten. Das Orangerote Habichtskraut ist extrem ausbreitungsfreudig und bildet zahlreiche Ausläufer.
Wer die Pflanze kultivieren will, sollte sie stets mit dem Spaten in Zaum halten, damit die anderen Pflanzen ebenfalls ihre volle Wirkung entfalten können und der Garten nicht zusehends orangefarbener wird!

 

Pflanz-Tipp: Das Orangerote Habichtskraut lässt sich auch sehr gut, wie eigentlich alle Wildblumen, im Kübel kultivieren, z.B. mit anderen wuchsstarken Wildblumen oder Gräsern. So dass sich eine bunte, blühende Vielfalt einfindet.

 

Fotos: NABU Leopoldshöhe/Thies


1. Themenabend im neuen Jahr 2014:

Aktion „ Blühende Landschaft Lippe - Blumen für Insekten“

„Wenn im Frühjahr der Raps ausgeblüht hat, verhungern die Bienen.“ Das kann man von lippischen Imkern immer häufiger hören.
Denn die Landschaftsveränderungen lassen auch den Insekten in Lippe immer weniger Lebensraum. Mit grünen Rasenflächen, gespritzten Feldrändern, eintönigen Parkanlagen, geschotterten Gärten und blütenarmen, überwiegend kurzgeschorenen öffentlichen Flächen ist den Schmetterlingen und Hummeln, den Honigbienen und Schwebfliegen nicht gedient.

Dabei sind gerade die Bienen für die Menschen lebenswichtig: Ohne Bienen keine Beeren und keine Äpfel, keine Kirschen, Birnen und Pflaumen, ohne Bienen ist sogar der Rapsertrag geringer- und natürlich gibt es ohne Bienen auch keinen heimischen Honig mehr.

Die promovierte Biologin Dr. Traute zur Lippe hat die Schirmherrschaft für das Projekt "Blühende Landschaft Lippe" übernommen, das der NABU Leopoldshöhe in den Grundzügen mitträgt  und mit eigenen Ideen und Vorschlägen, auch in Bezug auf den Lebensraumschutz, beleben möchte.

(c)NABU Leopoldshöhe/Thies: Blühinseln lassen sich nahezu überall schaffen.
(c)NABU Leopoldshöhe/Thies: Blühinseln lassen sich nahezu überall schaffen.

Anlass

In der freien Landschaft, auf öffentlichen Flächen, in Parks und Gärten finden sich immer weniger Blühpflanzen. In der Landwirtschaft gibt es kaum noch freie Randstreifen an Äckern, Wäldern und Gewässern, weniger Brachflächen, weniger Heuproduktion, weniger (Vieh-)Wiesen.

Die Versiegelung von Flächen, aber besonders auch die „Schotterung“ von privaten Gärten, öffentlichen Flächen und Friedhöfen nimmt zu. Weitere Flächen (z.B. die um öffentliche Gebäude und auf Firmengeländen) werden nur mit Rasen eingesät, und der häufige regelmäßige Schnitt verhindert jede Ansiedlung von Blühpflanzen.

Die Biodiversität im pflanzlichen Bereich wird dadurch immer weiter eingeschränkt. Das betrifft dann auch die auf diese Pflanzen angewiesenen Insekten.

Das hat gravierende Auswirkungen auf den Bestand vieler Bienen- und Hummelarten, Schmetterlinge und Falter. Es bedeutet auch einen Rückgang der Honigbienen (nach der Rapsblüte „hungern“ sie).

Das wiederum bedeutet Bestäubungsverlust an Beeren, Kern- und Steinobst (sogar die Rapsernte ist in der Spitze von Bienenbestäubung abhängig) und auch einen Rückgang der Honigproduktion in unserer Region. Tatsächlich muss trotz steigender Zahl an (Hobby-)Imkern in Lippe immer mehr Honig eingeführt werden.

Nicht zuletzt bedeutet der Verlust von Blühpflanzen auch eine Einschränkung des gesamten Landschaftsbildes in Lippe.

Gast des Abends:

Helmut Diekmann, Detmold ( Regionalbewegung Lippe und  „Lippequalität“ ) wird das Projekt“ Blühende Landschaft Lippe“ eingehend erläutern.


NABU Leopoldshöhe - Naturinfo

Winterfutter für Amsel, Fink und Star: Der Sauerdorn

 

 

Zu den Strauchgewächsen, deren Früchte für viele Vogelarten und Kleinsäuger eine größere  Bedeutung haben und die daneben auch in der Küche und bei Krankheiten Verwendung finden, zählt  der Sauerdorn (Berberis vulgaris), auch Berberitze genannt. Es ist ein ca. 3 Meter hoch werdender, bunter Strauch mit roten Früchten – jetzt das ideale Herbst- und Winterfutter für unsere Singvögel.
Wenn zunehmende Kälte und der erste gefrorene Boden unseren Vögeln die Jagd auf Regenwürmer, Käfer und andere Leckerbissen langsam aber sicher versperren, kommen die länglichen roten Früchte der Berberitze auf die Speisekarte. Und die Berberitze ist jetzt auch leicht zu finden, denn sie ist in der „grauen Jahreszeit“ ein weithin sichtbarer roter Farbtupfer in die Landschaft.

 Vor allem Amsel, Wacholderdrosseln und Grünfinken ernähren sich von den roten Früchten im Winter. Beeren und Laub können bei der Berberitze bis spät im Winter an den Ästen hängen und das Überleben von Vögeln, Mäusen und anderen Tieren sichern. Als Winterquartier werden die Sträucher von Igeln und Haselmäusen gerne angenommen. Im Sommer bieten die Berberitzensträucher Plätze zum Nisten, Deckung für das Niederwild. Die zahlreichen Blüten sind eine willkommene Nektarquelle für Honigbienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten.

18. November 2013

NABU Leopoldshöhe - Naturinfo

Winterfutter für Amsel, Fink und Star: Der Sauerdorn

(c) Ewald Thies
(c) Ewald Thies

Deswegen sind Berberitzen auch ideale Ziersträucher für den eigenen Garten. Sie lassen sich leicht schneiden und sind als Sichtschutz gut geeignet. Berberitzen sind in allen guten Baumschulen und in vielen Gärtnereien zu bekommen. Sie eignen sich auch hervorragend zur Kombination zusammen mit Weißdorn, Schlehe und Liguster für Schrebergartenanlagen, Parks und Hecken an Verkehrswegen wie Rad- und Wanderwegen.
Wilde Vorkommen der Gemeinen Berberitze wie im Osning bei Bielefeld, in der Eifel sowie im Sieger-und Sauerland sucht man in weiten Teilen des NRW´s oft vergeblich. Denn der bis zu drei Meter hohe, pflegeleichte Dornenstrauch stand noch vor etwa zwei Jahrzehnten auf der Roten Liste. Wie viele andere Sträucher und ganze Hecken war er der Flurbereinigung im Wege. Einst als Grundstücksgrenze gesetzt, wurden Berberitzenhecken zunehmend gerodet. Noch schlimmer hat sich ausgewirkt, dass die Berberitze Zwischenwirt des Schwarzrost-Pilzes ist, der Getreide befällt. So verschwanden immer mehr Berberitzen aus der Agrarlandschaft.
Die Früchte der Berberitze sind genießbar. Ihre Beeren enthalten Vitamin C und werden als Obst, Saft, Sirup und Marmelade genutzt. In Frankreich gab es im 18. Jahrhundert erbitterten Streit zwischen Bauern und Konfitüre-Herstellern wegen der Vernichtung der Berberitzensträucher. Denn auf die leckere Marmelade wollte man nicht verzichten.
Auch in der Heilkunde werden Teile des Sauerdorns in geringen Dosierungen eingesetzt.

Der NABU Leopoldshöhe empfiehlt, im Sinne des Natur-und Artenschutzes öffentliches Grün in Städten und Gemeinden, insbesondere auch Industriegrün in Gewerbegebieten bei Neuanlagen und Ersatzbepflanzungen mit Wildgehölzen wie der Berberitze anzureichern.