30. September 2016

NABU Lippe Naturinfo

Eingeschleppt – ostasiatischer Kleinschmetterling sorgt für Kahlfraß an Buchsbaum

(C)NABU/H. Dudler: Buchsbaumzünsler
(C)NABU/H. Dudler: Buchsbaumzünsler

Kreis Lippe. Ein neuer Schädling macht die Buchsbaumhecken in deutschen Vorgärten unsicher: Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) frisst sich wie die Raupe Nimmersatt durch Blattwerk und Zweige der heimischen Zierhecken.

 

Neben den Raupen dieses Pflanzenschädlings besteht ein weiteres Übel:

In den letzten Jahrzehnten ist ein europaweites Buchsbaumsterben zu beobachten, das Experten zunehmend beunruhigt. Häufigster Grund ist eine festgestellte Infektion mit dem Pilz Cylindrocladium buxicola, der bisher in Deutschland kaum anzutreffen war und ausschließlich Buchsbäume befällt. Aufgrund der sich ändernden Klimaverhältnisse findet der Pilz optimale Bedingungen vor und breitet sich besonders schnell aus.

 

In Mitteleuropa bildet der Buchsbaumzünsler abhängig von Witterung und Temperaturverlauf mindestens zwei bis drei Generationen jährlich aus.

„Nach allem, was wir bisher wissen, breitet sich die Art „von selbst“ allerdings nur wenige Kilometer pro Jahr um die bisherigen Befallsgebiete herum aus. Die Besiedlung weiter entfernter Orte dürfte bisher hauptsächlich über Verschleppung von Eiern oder Raupen mit jungen Buchsbäumchen erfolgt sein“, so der Entomologe Hans Dudler vom NABU Lippe.

 

Untersuchungen der Universität Basel zeigen, dass die rasante Verbreitung des Kleinschmetterlings nicht ausschließlich auf sein Flugvermögen zurückzuführen ist, sondern wesentlich durch schädlingsbefallene Pflanzen beeinflusst ist, die durch Menschen verfrachtet wurden. Die rasante Ausbreitung des Buchsbaumzünslers quer durch Europa ist zu nahezu hundert Prozent den Gartencentern und ähnlichen Einrichtungen zu „verdanken“. Diese verdienen zunächst am Verkauf von ei- oder raupenbesetzten Buchsbäumen, danach am Verkauf der (in der Hand von Hobbygärtnern nur sehr begrenzt wirksamen) Bekämpfungsmittel und schließlich am Verkauf der Ersatzpflanzen, nachdem die Hobbygärtner ihren ruinierten Buchs frustriert heraus reißen mussten.

(C)Lepiforum: Gartenrotschwanz mit erbeutetem Falter
(C)Lepiforum: Gartenrotschwanz mit erbeutetem Falter

 Ewald Thies, NABU Leopoldshöhe: „Aus Ostwestfalen-Lippe sind zwar bis jetzt lediglich 3-4 glaubhafte Nachweise bekannt, die Dunkelziffer dürfte aber bedeutend höher sein. Nicht alle Beobachtungen, Funde von Gelegen oder Raupen werden uns mitgeteilt bzw. publik gemacht“.

 

Die aus Ostasien stammende Art wurde wahrscheinlich 2006 nach Europa eingeschleppt.

Das Garten,- Park- und Friedhofsgewächs, das insbesondere in „katholischen Gegenden“ seit Jahrhunderten als wichtige Brauchtumspflanze gehegt wird (kleine Zweiglein an den Kirchenbänken, größerer Einsatz an "Palmsonntag"), erfreut sich größter Beliebtheit, bislang wurde der Buchsbaum geschätzt als etwa robust, wuchsstark, vermehrungsfreudig und schnittfest.

 

Diese Positivmerkmale geraten nun gehörig ins Wanken:

Bei einem erkennbaren Raupenbefall jedenfalls hilft es schon, wenn die Gespinste in den befallenen Buchsbaumbüschen oder –sträuchern kraftvoll mit einem Hochdruckreiniger „behandelt“ werden.

Auf harte Chemie sollte in jedem Fall verzichtet werden, ihr Einsatz ist zudem wenig Erfolg versprechend!

Für die Falter des Buchsbaumzünslers stellen Vögel, wie etwa der Gartenrotschwanz oder diverse Wespenarten, eine ernste Bedrohung dar: als echte Leckerbissen werden sie gerne gefressen!


30. März 2016

NABU Lippe Naturinfo

Gartenflüchtlinge bedrängen natürliche Lebensräume

(C)NABU/E.Thies: Riesensegge am Eselsbach in Leopoldshöhe
(C)NABU/E.Thies: Riesensegge am Eselsbach in Leopoldshöhe

Wer ein Gartencenter aufsucht, findet eine riesige Auswahl an Pflanzen vor. Viele davon entstammen mittlerweile fremden Weltgegenden, kommen aus Ländern rund um den Globus zu uns. Exotik ist angesagt in Gärten und Parks.

 

„Doch“, darauf möchte der NABU Lippe eindringlich hinweisen, „ in die heimische Natur gehören gebietsfremde Arten nicht“!

 

Viele neue Arten haben sich seit Jahrhunderten als sogenannte Neophyten in die heimischen Ökosysteme integriert und sind Bestandteil unserer Flora geworden.

 

Andererseits gibt es einige fremde Arten, und es werden immer mehr, die sich nicht anpassen, sondern sich so vermehren, dass sie einheimischen Arten den Raum nehmen und sie verdrängen. Etliche begnügen sich nicht mit dem ihnen zugewiesenen Platz im Hausgarten – sie brechen aus, überspringen den Gartenzaun und werden zu Invasoren, so genannten invasiven Arten. Besonders dann, wenn die in Baumschulen und Gartencentern angebotenen Pflanzen mit den Eigenschaften "schnellwüchsig", "ausdauernd", "bestandsprägend" oder "anspruchslos" charakterisiert werden, sollte erhöhte Vorsicht gelten. Irgendwann werden sie im Garten zu groß, zu viel oder passen einfach nicht mehr. Was nun? Die Ausbreitung solcher fremder Arten wird dann häufig unbedacht eingeleitet, wenn Privatleute z. B. Gartenabfälle in der freien Landschaft entsorgen oder meinen, die Natur durch das Ausbringen neuer Arten zu "bereichern".

 

Auch in der freien Landschaft wirtschaftende Berufsgruppen (Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Imkerei, Straßen- und Landschaftsbaubetriebe, Verkehrswegeunterhaltung etc.) tragen zur unbeabsichtigten Ausbreitung gebietsfremder Arten bei, beispielsweise durch Anpflanzungen, Ansaaten oder die Verschleppung von Samen oder Pflanzenteilen durch Erdbewegungen.

 

Wie wir sehen, ist die „Globalisierung“ der Natur in vollem Gange mit der Folge, dass sie immer gleichförmiger und ärmer an Arten und Lebensräumen wird. Um dies wenigstens einzudämmen, ist es wichtig, Probleme durch pflanzliche Neuankömmlinge beizeiten zu erkennen und darauf hinzuweisen. Ewald Thies vom NABU Lippe: „Riesenbärenklau und Drüsiges Springkraut sind vielerorts schon nicht mehr zu bändigen“. Vielleicht kommen da Hinweise noch rechtzeitig, die auf der Ausbreitung einer weiteren Art, einer gebietsfremden Segge gelten:

 

Carex pendula, die Riesen-oder Pendelsegge, hat aus den Gärten den Marsch in die freie Natur angetreten. Im Salzufler Stadtwald, am Schuttberg in Bielefeld, an vielen Bachläufen in Leopoldshöhe breitet sich das Staudengewächs beispielsweise rasch aus, siedelt an Waldparkplätzen ebenso gerne wie an Fließgewässern und zeigt Ausbreitungstendenzen, die schon beim Indischen Springkraut und der Herkulesstaude (s.o.) aufgefallen sind.

Eine erhöhte Aufmerksamkeit ist erforderlich, da sich die invasive Seggenart mittlerweile auch in Schutzgebieten einfindet und sich dort erkennbar ausbreitet.

 

Wer Vorkommen der Riesensegge kennt und Hinweise zu Wuchsorten der Pflanze geben kann, wird gebeten, diese dem Naturschutzbund (NABU Lippe) unter info@nabu-leo.de mitzuteilen.


NABU Lippe Naturinfo

Erdbeerähnliches Rosengewächs breitet sich aus

(C) NABU/H.Dudler
(C) NABU/H.Dudler

Sie bewegt sich kriechend auf dem Boden, hat Blätter, die der Erdbeerpflanze sehr ähneln und leuchtendrote Früchte, die zum Essen einladen - die Scheinerdbeere.

 

Jetzt im Wintermonat November, wenn die meisten Pflanzen ihre Blütephase längst hinter sich haben und keine Früchte mehr tragen, entwickelt diese „falsche“ Erdbeere noch ein erstaunliches Wuchspotential.

Scheinerdbeer-Fingerkraut (Potentilla indica) lautet der richtige Name des Gewächses, das als Zierpflanze öfter kultiviert wird, und sich jenseits von Gärten derzeit heftig ausbreitet. Dies gelingt dem wintergrünen, ausdauernden Bodendecker (seit 1903 als Neophyt anerkannt) vor allem durch seine langen, den Knoten wurzelnden bis zu 50 cm langen Ausläufer.

(C) NABU/H.Dudler
(C) NABU/H.Dudler

Die zur Ordnung der Rosengewächse und zur Gattung der Fingerkräuter gehörende Pflanze sieht der Wald-Erdbeere zum Verwechseln ähnlich, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass ihre Früchte nur als Zierde dienen. Die Indische Scheinerdbeere, so ihr anderer Name, hat mit ihren leuchtenden Früchten schon viele hinters Licht geführt. Sie könnte, so die Befürchtung, zur ernsthaften Konkurrentin der Walderdbeere werden und diese womöglich verdrängen. Seit längerem kommt sie auch an Ruderalstandorten vor, wächst aber auch in städtischen Innenhöfen, in Zierrasen, an Waldrändern und kommt auch in frischen Hecken vor.

 

Im Gegensatz zur weißblühenden Wald-Erdbeere entwickelt das Scheinerdbeer-Fingerkraut bis weit in den November hinein schön aussehende, gelbe Blüten. Und gleichzeitig trägt die Pflanze noch leuchtendrote Früchte, die allerdings fade schmecken und sich deshalb nicht zum Verzehr eignen.


Die Indische Scheinerdbeere gilt als ein mittlerweile weit verbreiteter, stabil eingebürgerter Neophyt, der stark zunimmt.

Ruderalfluren:

Ruderale Standorte sind vom Menschen tiefgreifend überprägt, indem die vorherige Vegetation zerstört, das Bodengefüge verändert und dadurch gegenüber den ursprünglichen Verhältnissen abweichende Lebensmöglichkeiten geschaffen wurden. Auf künstlichen Böden, z. B. Aufschüttungen, Schotter, Schutthalden, Trümmerschutt o. Ä. stellen sich bei spontaner Besiedlung immer ruderale Arten als Erstbesiedler ein. Das muss nicht nachteilig sein, entwickeln sich doch auf diesen Pionierstandorten oft auch Pflanzenarten, die anderswo schon längst verschwunden sind.


15. September 2015

NABU Lippe Naturinfo

Die Spinnen kommen!

Beobachtungsmeldungen einer seltenen Weberknechtart gesucht!

(C)NABU/E. Thies
(C)NABU/E. Thies

Ab Anfang September lässt es sich in unseren Breiten nur selten leugnen - der Sommer ist vorbei.

Sinkende Temperaturen und steigende Luftfeuchtigkeit bringen nicht nur die Menschen dazu, sich wieder mehr in ihre vier Wände zurückzuziehen. Das traute Heim wird nun auch vermehrt von Mitbewohnern besiedelt, die nicht immer herzlich willkommen sind. Zu teilweise heftigen Reaktionen führt der achtbeinige Einmarsch von Spinnen, die darauf hoffen, in einer stillen Zimmerecke mit fetter Beute den Winter zu überstehen.

Der Naturschutzbund bittet, die ungeliebten Nützlinge nicht zu töten und sie im Notfall lebend vor die Tür zu setzen.

Ein Insektenfang-und Transportgerät namens Snapy, der sogenannte Spinnengreifer, kann dabei gute Dienste leisten.

(C)NABU/E.Thies: Dicranopalpus ramosus-Männchen
(C)NABU/E.Thies: Dicranopalpus ramosus-Männchen

Zu den Spinnentieren, die seit einiger Zeit weniger  drinnen in Räumlichkeiten, dafür mehr an hellen Hauswänden zu sehen sind und dort auf Beute lauern, zählt eine Weberknechtart namens Dicranopalpus ramosus.

Sie lebt auch an Bäumen, auf Baumstämmen und -ästen, wo sie jedoch kaum auffällt, bewohnt überwiegend synanthrope Lebensräume wie Gärten, Gebüsche und Hecken in Siedlungen.

Der Begriff Synanthropie bezeichnet die Anpassung einer Tier- oder Pflanzenart an den menschlichen Siedlungsbereich.

 

Die Weberknechte (Opiliones), auch Schneider oder gelegentlich auch  Opa Langbein genannt, zählen zu den langbeinigen Spinnenarten.

Die dünnen Beine sind auffallend lang, sie sind nur spärlich behaart und dabei gelblich und dunkelbraun geringelt. 

Während die Männchen eine Körperlänge von 3-4 mm aufweisen, können die Weibchen mit bis zu 6 mm nahezu doppelt so groß werden.


Der paarige Pedipalpus, ein auffallendes Merkmal dieser Spinnentiere, ist eine umgewandelte Extremität im Kopfbereich der Tiere, die als gutes Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter dienen kann.

(C)NABU/D. Wolter: Dicranopalpus ramosus-Weibchen
(C)NABU/D. Wolter: Dicranopalpus ramosus-Weibchen

Dicranopalpus ramosus hat sich von Nordafrika ausgehend über den westmediterranen Raum und Portugal, Spanien, England, Frankreich und  Benelux immer weiter nach Norden ausgebreitet.

In Deutschland ist NRW mit dem Rheinland und Ruhrgebiet zwar ein Verbreitungsschwerpunkt, aus der Region Ostwestfalen –Lippe liegen aber bislang nur vergleichsweise wenige Fund-bzw. Beobachtungsmeldungen vor.

Bekannt geworden sind bis jetzt nur Meldungen aus Bielefeld, wo die Art kürzlich erst in der Nähe des Ostwestfalendammes gesichtet wurde, aus Herford, aber auch aus der Gemeinde Leopoldshöhe.

Dort scheinen sich die Langbeiner offensichtlich schon länger in mehreren Ortsteilen wohl zu fühlen, seit Dezember 2008  tauchen sie hier immer mal wieder an Häuserwänden auf.

 

In Erscheinung treten können die Weberknechte in der Zeit vom Spätsommer bei milder Witterung bis in den Dezember hinein.

Der NABU-Lippe bitte um Beobachtungs-und Fundmeldungen, möglichst mit Foto und genauer Ortsangabe, wenn Weberknechte dieser besonders auffallend gezeichneten Weberknechtart gesichtet werden!

 

Meldungen bitte an: info@nabu-leo.de


1. September 2015

NABU Lippe Naturinfo

Schönheit oder Gefahr? Bereicherung oder Bedrohung? Das Indische Springkraut

Das Indische Springkraut ist ein invasiver Neophyt, der sich immer stärker in der heimischen Vegetation breitmacht. Vielerorts wird die Pflanze als standortfremd und verdrängend bekämpft, weil sich dort, wo sie wuchert-so die Befürchtung-, die Artenvielfalt verringert und das Ökosystem gefährdet wird.

„Dabei sind viele Auen heute ausgesprochen arten-und blütenarm, wobei oftmals nur die Massenentwicklung der Brennnessel dominierend in Erscheinung tritt“, so Hans Dudler vom NABU Leopoldshöhe. „Letztlich wird überwiegend diese als Große Brennnessel bezeichnete Pflanze zurück gedrängt.“

Andererseits hat das Auftreten des Drüsigen Springkrauts auch eine positive Wirkung. Im sonst blütenarmen Spätsommer bieten die Blüten Honigbienen, Wildbienen und vielen anderen Insekten willkommene Nahrung. Hans Dudler: „ Unser Ziel ist, eine Artenliste der Insekten zu erstellen, die die Blüten dieser Pflanze aufsuchen.“

(C)NABU/E.Thies
(C)NABU/E.Thies

Das Indische oder Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) wurde bereits im Jahr 1839 aus dem westlichen Himalaja als Gartenpflanze nach Europa gebracht. Es war als Zierpflanze sehr beliebt. Auch Imker trugen zu seiner Ausbreitung bei, da sie die Art als Bienenweide anpflanzten.

Auch in Leopoldshöhe hat sich das Indische Springkraut in den letzten Jahren rasant verbreitet. An Werre und Windwehe und ihren Zuflüssen arbeitet sich die Pflanze in Riesenschritten gewässeraufwärts vor- wie hier auch am Holzkampbach in Greste deutlich sichtbar. Im NSG Heipker See und im NSG Windwehetal sowie in anderen Schutzgebieten hat sich die fremde Blütenpflanze ebenfalls bereits flächendeckend etabliert. Dort ist das Gewächs eindeutig unerwünscht.

An Schienenwegen-wie am Bahnhof Oerlinghausen-taucht das Indische Springkraut mittlerweile ebenfalls auf und verbreitet sich da in den feuchten Grabenbereichen entlang der Bahnstrecke zusehends.

Besonders häufig ist das Drüsige Springkraut jedoch als Lückenfüller in der Auenvegetation zu finden.

(C)NABU/E.Thies
(C)NABU/E.Thies

Bekämpfung: In Gebieten, die bereits stark vom Drüsigen Springkraut besiedelt sind, ist wahrscheinlich eine Ausrottung der Art nicht mehr zu erreichen. Lediglich die Ausbreitung kann behindert werden, wenn man erste Vorkommen - insbesondere an Ufern von Bächen -entfernt, bevor durch Samentransport ein ganzes Tal besiedelt wird. Wobei klar ist, dass das Fremdgewächs nicht nur auf öffentlichen Flächen wuchert, sondern auch bereits in Privatgärten fest Fuß gefasst hat. Pflanzen können durch Mähen nach dem Auftreten der ersten Blüten, aber vor dem Reifwerden der Samen beseitigt werden. Da die Pflanzen möglicherweise nachwachsen, muss eine Nachkontrolle erfolgen.

 

Das insgesamt häufiger gewordene Auftreten des Drüsigen Springkrauts ist die Kehrseite von Standortsveränderungen wie sie z.B. durch die Eutrophierung vieler Böden verursacht werden. Insofern werden durch Aktionen, mit denen der Ausbreitung des Drüsigen Springkrauts begegnet werden soll, in vielen Fällen die Symptome, nicht aber die Ursachen der Entfaltung dieser Art bekämpft.

Von daher ist es ziemlich illusorisch, zu glauben, mit dem Ausreißen einiger Pflanzen könne hier ein "Neophytenproblem" auf einfache Weise gelöst werden.


20. Juli 2015

NABU Lippe Naturinfo

Leben im Flug: Der Mauersegler

(C)NABU/M.Düsterberg
(C)NABU/M.Düsterberg

Der Mauersegler hat sich in Städten und Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo er unter den Dächern von Altbauten, aber auch in anderen Gebäudenischen wie altem Gemäuer, geeignete Wohnstuben findet. Dank dieser Anpassungsfähigkeit konnte sich der rasante Flieger in der Vergangenheit zunächst gut vermehren.

Dirk Wetzlar aus Asemissen hat sein Haus „segler-und schwalbenfreundlich“ umgerüstet und dazu mit ganz speziellen Kästen ausgestattet. „Bei mir ist richtig was los in diesem Jahr, auch die Bruterfolge sind erfreulich hoch“, betont er zufrieden.
„Die ersten jungen Mauersegler verlassen uns leider jetzt schon, die Alttiere rauschen noch bis Anfang August bei uns kreischend um die Häuserzeilen“ fügt er hinzu.
Viele Nistplätze gehen heute jedoch durch Gebäudesanierungen verloren. Der Mauersegler (Apus apus) gehört zur Familie der Eigentlichen Segler (Apodidae), zu der in Deutschland lediglich eine weitere Art zählt: der Alpensegler, der nur in der Gegend von Freiburg im Breisgau brütet. 
Der Name "Mauersegler" ist auf dessen Verhalten, an den Mauern entlang zu segeln, zurückzuführen. Früher wurde er deshalb auch Turmschwalbe genannt. Der wissenschaftliche Name "Apus apus" leitet sich von dem griechischen Wort für "fußlos" ab und ist ein Hinweis auf die kurzen, kaum erkennbaren Stummelfüße des Mauerseglers. Segler zählen nicht zu den Singvögeln, sondern bilden eine eigene Ordnung innerhalb der Vogelwelt.
Mit einer Flügelspannweite von über 40 Zentimetern sind Mauersegler erheblich größer als unsere heimischen Schwalben. Sie haben lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Bis auf die grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich bis rußschwarz, wobei Weibchen und Männchen gleich gefärbt sind. Jungvögel sind an der weiß geschuppten Stirn und dem größeren Kehlfleck zu erkennen. Der Schnabel und die Füße sind schwärzlich, die Iris tiefbraun.
Vor allem bei der Balz hört man häufig ein hohes, schrilles, oft gereiht vorgetragenes "srih" oder "sprih". Ein hoher "swir-rir"-Ruf wird von beiden Partnern in unterschiedlicher Höhe am Nest ausgestoßen.

(C)NABU/M.Düsterberg
(C)NABU/M.Düsterberg

Mauersegler gehen ausschließlich in der Luft auf Jagd nach Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Dabei wird der Schnabel erst beim Zugreifen geöffnet. Sie jagen nicht selten in großer Höhe von bis zu 3.000 Metern über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund. In Europa sind als Nahrungstiere u.a. Blattläuse, Käfer, Fliegen und Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Ameisen nachgewiesen worden, in Afrika auch schwärmende Termiten. Um zu trinken, nehmen Mauersegler in einem schnellen, geraden Gleitflug direkt von der Gewässeroberfläche Wasser auf.
Der Mauersegler war ursprünglich ein Fels- und Baumbrüter. Heute ist er hauptsächlich ein Bewohner menschlicher Siedlungen, wo er in Einzelhöfen, Dörfern und vor allem in Städten mit hohen Gebäuden, wie Wohnblocks, Altbauten, Türmen und Fabriken, vorkommt.
„Wo alte, hohe Fabrikgebäude abgerissen werden, ist es wichtig, darauf zu achten, dass Ersatzbrutplätze geschaffen werden“, betont Dagmar Elbracht, an deren Haus im Ortskern Leopoldshöhes sich mehrere Mauersegler-und Schwalben-Brutplätze befinden. Sie setzte sich vehement dafür ein, dass dies auch bei einem Werkgebäudeabriss bei ihr gegenüber eingehalten wurde.
Mauersegler sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern und in der Regel Ende April zu uns zurückkehren. Ihre Brutzeit erstreckt sich bis Ende Juli. Es gibt nur eine Jahresbrut, aber nach Gelegeverlust oft eine Ersatzbrut. Die Brutdauer ist abhängig von klimatischen Bedingungen und variiert zwischen 18 (schönes Wetter) und 25 Tagen (schlechtes Wetter).

Das flache Nest besteht vor allem aus Halmen, Blättern, Haaren, Federn und ähnlichen leichten Materialien, welche die Mauersegler im Flug aus der Luft aufsammeln und mit ihrem Speichel zusammenkleben. 
Mauersegler legen meist zwei bis drei weiße, elliptische Eier.
Auch die Entwicklungszeit ist abhängig von klimatischen Bedingungen. Nach dem Schlüpfen vergehen in normalen Jahren etwa 41 Tage bis zum Flüggewerden, bei guten Bedingungen nur 37, bei schlechten aber bis zu 56 Tage. Die Geschlechtsreife wird frühestens am Ende des zweiten Lebensjahres erreicht. Mauersegler können bis zu 20 Jahre alt werden.
Da Mauersegler ihre Nester am liebsten unter Hausdächern bauen, kann es für die Jungvögel dort bei großer Hitze gefährlich werden- sie suchen dann eine Abkühlung und weil sie noch nicht fliegen können, fallen sie aus den Nestern. Selbst, wenn sie den Absturz unverletzt überstehen, sind die Überlebenschancen gering. Einmal aus dem Nest gefallen, verhungern sie.

Das Verbreitungsgebiet des Mauerseglers erstreckt sich von Nordafrika und Europa bis in den nordöstlichen Teil der Mongolei. Die nördlichsten Brutvorkommen liegen in Skandinavien am 70. Breitengrad.

Zu den wesentlichen Gefährdungsursachen zählt der Verlust der Nistmöglichkeiten an Gebäuden aufgrund baulicher Veränderungen im Zuge von Renovierungen, aber auch durch Neubauten ohne jegliche Nischen und Spalten.


19. Juni 2015

NABU Lippe Naturinfo

Diesmal: Der Distelfalter

(C)NABU/E.Thies: Distelfalter
(C)NABU/E.Thies: Distelfalter

Ein seltenes Naturphänomen kann man zurzeit in unserer Region erleben: Große Mengen wandernder Distelfalter (Vanessa cardui) sind dabei, ganz Deutschland zu „erobern“.

Von einem Tag auf den anderen sind seit einiger Zeit auch auf Feldern und Wiesen, in Dörfern und Städten in Lippe zahlreiche hübsch orange, weiß und schwarz gezeichnete Schmetterlinge unterwegs. Bei genauerer Betrachtung sieht man den meisten der Tiere allerdings an, dass sie Hunderte von Kilometern hinter sich gebracht haben. So sind die Flügel oft schon arg zerschlissen und stark beschädigt!

 

Teils sausen sie schnell und gradlinig vorbei, teils flattern sie direkt vor den Füßen des Spaziergängers aus dem Gras am Wegrand auf. Es handelt sich dabei um Distelfalter, die wie jedes Jahr aus Nordafrika übers Mittelmeer und die Alpen je nach „Wanderlust“ nach Mittel- oder sogar Nordeuropa ziehen. Entlang der Wanderstrecken legen sie, meist an Disteln oder Brennnesseln, ihre Eier ab.

Doch während der Einflug in den vergangenen Jahren eher „tröpfchenweise“ erfolgte, handelt es sich in diesem Sommer um einen regelrechten Masseneinflug von einigen Millionen Tieren, wie er zuletzt im Jahr 2009 auffallend vorkam und eigentlich eher selten stattfindet. Die Distelfalter kommen in mehreren Wellen durch unsere Region und wurden schon seit April in Südeuropa beobachtet. Ein Teil bleibt hier, andere ziehen weiter Richtung Norden und Osten und stoßen sogar bis nach Island vor.


Die Auslöser für den Zug der Distelfalter sind bisher weitgehend ungeklärt: „Wahrscheinlich spielt Nahrungsmangel in den Ursprungsgebieten eine Rolle bei diesem rein instinktiv gesteuerten Verhalten. Wenn dann auch noch günstige Winde dazu kommen, brechen sie einzeln, aber wie auf Kommando auf und können mitunter weit mehr als 100 Kilometer am Tag zurücklegen. Die Nachkommen der Einwanderer versuchen, ähnlich wie beim Admiral, zum Herbstbeginn wieder nach Nordafrika zurückzukehren“, so der Schmetterlingskundler Hans Dudler.

Das Schauspiel des Distelfalter-Einfluges ist grundsätzlich Jahr für Jahr zu beobachten, allerdings nur selten in dieser Intensität.


Für die Land- und Forstwirtschaft bestehe nach NABU-Angaben aber keine Gefahr, weil sich die Raupen der Distelfalter überwiegend von Disteln oder Brennnesseln ernährten. Im Gegenteil – viele der Eier, Raupen und Puppen (die sogenannten „Ersten Stände“) des Distelfalters fallen gebietsweise dem ungebremsten Einsatz von Pestiziden an Ruderalstandorten, also an Stellen wo gemeinhin Brennnesseln oder Disteln vermehrt auftreten, zum Opfer!

Forscher staunen mit Naturfreunden immer wieder über solche Phänomene, sorgen sich andererseits aber um die heimische Artenvielfalt.

Während das Ereignis Spezialisten für Wanderfalter in helle Aufregung versetzt, sind Experten für heimische Falterarten zwiegespalten: Einerseits eint sie die Freude über das Massenphänomen mit ihren Kollegen. Andererseits beklagen sie besorgniserregend geringe, zum Teil dramatisch zurückgehende Zahlen einheimischer Arten wie etwa vielen Wiesenfaltern, Bewohner von Feuchtgebieten sowie Tieren der Magerstandorte, so bei den Bläulingen, vielen Augenfaltern und auch etwa dem Schwalbenschwanz, einem unserer markantesten Tagfalter überhaupt. Klar ist, dass klimatische Schwankungen und veränderte Landnutzung auf die Artenvielfalt wirken. Nährstoffarme Standorte gehen verloren, neben der Eutrophierung von Flächen spielt auch die Anwendung von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln eine entscheidende Rolle beim Rückgang der Tagschmetterlinge. Kontinuierlich gehen Lebensräume durch Zersiedelung der Landschaft und Versiegelung der Landschaft verloren.

 

Winde tragen die Tiere nordwärts

„Es ist ein schönes Naturschauspiel, was wir jetzt sehen“, sagt Hans Dudler, Insektenkundler beim NABU Lippe. Als hätten sich die Falter verabredet, folgen sie einer Richtung – und das, obwohl sie weder untereinander kommunizieren noch koordiniert ausschwärmen, wie etwa Zugvögel es tun. Unterstützt von sanft wehenden Winden schaffen die Falter große Distanzen in relativ kurzer Zeit.

 

„Uns wäre daran gelegen, zu erfahren, an welchen Pflanzenarten Distelfalter Eier ablegen. Denn neben Disteln können den Raupen auch Brennnesseln sowie verschiedene Arten wie etwa Kreuz- und Korbblütler oder Malvengewächse als Futterpflanzen nutzen“, erläutert Hans Dudler.

 

Beobachtungshinweise möglichst mit Foto und Ortsangabe bitte an:

info@nabu-leo.de


24. Oktober 2014

NABU Naturinfo: Das Pfaffenhütchen

Ein herbstlicher Blickfang

(c)NABU Leopoldshöhe/E.Thies
(c)NABU Leopoldshöhe/E.Thies

Das Pfaffenhütchen ist einer unser häufigsten heimischen Wildsträucher und seit der Nacheiszeit hier heimisch. Es wird in der Regel drei bis vier Meter hoch. Aus dem flach wachsenden, dichtfilzigen Wurzelwerk treibt es zahlreiche Ausläufer, so dass lichte Standorte schnell zuwachsen.
Wenn in strengen und schneereichen Wintern Amsel, Fink und Meise Mühe haben, Futter zu finden, kommen die Früchte dieser Strauchpflanze gerade recht. Die in karminroten vierteiligen Kapseln hängenden orangefarbenen Samen sind nicht nur nahrhaft, sondern bieten auch willkommene Farbtupfer in der Winterlandschaft.
Wegen seiner dekorativen Früchte und seiner roten herbstlichen Blattfärbung wird der Strauch in kultivierter Form gerne in Gärten und Parks angepflanzt. In der freien Landschaft ist das Pfaffenhütchen in Au-, Laub- und Mischwäldern zu finden und liebt sonnige bis halbschattige Standorte mit feuchten Lehmböden. 
Ebenso wie bei Eibe, Sanddorn, Ilex oder Gemeiner Schneeball bleiben auch beim Pfaffenhütchen die Früchte bis tief in den Winter an den Zweigen und bilden dann eine der wenigen natürlichen Futterquellen. Dies hat ihm den Namen „Rotkehlchenbrot“ eingebracht. Doch locken nicht nur die Samen, sondern auch die in den Sträuchern überwinternden Spinnen und Insekten. „Im Winterhalbjahr sind die Vorkommen von Pfaffenhütchen und den anderen heimischen Sträuchern eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vogelarten“ so Bernd Milde, Vorsitzender des Naturschutzbundes in Lippe. „Das Anpflanzen von Pfaffenhütchen im heimischen Garten ist eine langfristige und sinnvolle Hilfe für die Vogelwelt. Meisenknödel und Futterringe sollten nur in harten Wintern mit langer Schneedecke aufgehängt werden.“

(c) NABU Leopoldshöhe/E. Thies
(c) NABU Leopoldshöhe/E. Thies

Allerdings sollte man die verlockend aussehenden Früchte des Pfaffenhütchens nicht essen, denn sie sind für Menschen giftig. Weil seine exotisch anmutende Frucht an die Kopfbedeckung geistlicher Würdenträger erinnert, einer Bischofsmütze ähnelt, wurde die Pflanze einst Pfaffenhütchen getauft. Sein Holz wurde früher zur Fertigung von Spindeln, Kleiderhaken und Zahnstochern gebraucht. Und wem das Fell juckte, der bekam gegen Läuse und Milben Samenpulver vom Pfaffenhütchen.
Das Blattwerk des Pfaffenhütchens ist im Mai Futter für die Raupen der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella). Die gesellig lebenden Raupen überziehen die Sträucher oft vollständig mit einem seidigen Schleier, fressen sie kahl und verpuppen sich unter dem „Deckmäntelchen“. Nach wenigen Wochen verlassen die Raupen ihre Gespinste und verpuppen sich. Dieser Kahlfrass schadet dem Pfaffenhütchen nicht, denn die Sträucher treiben unbeschadet wieder aus und zeigen schon bald wieder frische, grüne Blätter – so als wäre nichts geschehen. Die erwachsenen Gespinstmotten sind als Nachtfalter unterwegs und eine wichtige und willkommene Nahrung unserer Fledermäuse.
Das Pfaffenhütchen ist ein frostharter Strauch und erträgt viel Schatten. Wegen seiner Fähigkeit zum Stockausschlag ist die Strauchart gut geeignet für das Anpflanzen in Hecken und in Gärten, denn sie verträgt das Rückschneiden gut.


15. September 2014

NABU Lippe Naturinfo: Die Kanadische Goldrute

Eine Schönheit, die alles erstickt

Unterscheidungsmerkmale: links= Kan.Goldrute Rispen, bogig gekrümmt, Stängel grün, oben behaart/rechts= Riesen-G. Blütenstand pyramidenartig dicht, Stängel rot, kahl
Unterscheidungsmerkmale: links= Kan.Goldrute Rispen, bogig gekrümmt, Stängel grün, oben behaart/rechts= Riesen-G. Blütenstand pyramidenartig dicht, Stängel rot, kahl

Viele Gartenbesitzer mögen die Goldrute, weil sie jegliches Wildkraut unter sich erstickt. Das bringt aber auch Probleme mit sich. Grund: Die Kanadische Goldrute verdrängt die heimische, bodenständige Vegetation. Und das auf aggressive Weise. Wo sie wurzelt, erstickt sie alles um sich herum.
An Bächen und Baggerseen, an Straßenrändern und Bahnanlagen, entlang von Waldwegen entwickeln sich erst kleinere Tuffs, woraus sich schnell großflächig Kolonien bilden.
Wo beispielsweise an Gewässern früher ein Mosaik aus Uferstauden und offenen Kiesflächen, Kriechrasen, Kleingehölzen und kurzlebigen Krautfluren anzutreffen war, bildet die Invasivpflanze nun mit ihren Stauden an vielen Stellen regelrechte Dickichte. Mit der Folge, dass die Vielfalt heimischer Pflanzen verloren geht und auch vielen Kleintieren die Lebensgrundlage entzogen wird.

Die Goldrute hat sich bei uns mit Erfolg ansiedeln können, aber sie hat ihre Fressfeinde nicht mitgebracht. Selbst Wild und Vieh mögen sie nicht, grasen um sie herum. Es gibt nur einige wenige heimische Raupen und Käfer, die Appetit auf das Fremdgewächs entwickelt haben. Auf Fluginsekten wie Hummeln, Bienen oder Schwebfliegen übt sie allerdings schon eine nennenswerte Anziehungskraft aus.

„Aufpassen sollte man bei Fremdlingen, die einen starken Ausbreitungsdrang haben (z.B. wuchernde Goldruten, Indisches Springkraut.)“, gibt das „Netzwerk Blühende Landschaft“ zu bedenken - wobei es darum geht, in Gärten eine stabile Vielfalt mit ökologischer Schwerpunktsetzung zu schaffen.Für Blütenbesucher wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, so die einleuchtende Empfehlung,, sollten daher nur heimische Stauden und standortgerechte Wildblumenmischungen angeboten werden. Obwohl für heimische Imker (wie den Kreisimkerverein Lippe e.V.) als Trachtpflanzen und Nektarquellen zuvörderst Stauden und Blumen aus der heimischen Natur in Frage kommen, taucht in der Liste empfehlenswerter blühender Stauden leider auch die Goldrute auf.

Dabei ist unbestritten, dass Solidago canadensis schnell die Gartenbiotope überspringt, in der freien Landschaft große Dominanzbestände bildet, die Vegetationsstruktur verändert und die einheimische Flora verdrängt.Eingewandert ist die Goldrute aus Nordamerika. Als Gartenpflanze schaffte sie den Weg nach Europa, wo sie noch heute in vielen Bauern-, Zier-und Staudengärten einen gelben Blickfang setzt. „Und das Leben des Gärtners erleichtert, weil sie auch jegliches Wildkraut unter sich erstickt“, so der NABU Lippe. Sie kann es sogar mit der zähen Brennnessel aufnehmen und der Armenischen Brombeere, die dichtwachsend und nahezu undurchdringlich aufgrund zunehmender Nährstoffanreicherung Freiflächen dicht besiedelt und ausgedehnt Waldböden bedeckt.

Die Kanadische Goldrute bildet über kurze Ausläufer dichte Bestände. Wo sie einmal Fuß gefasst hat, verschwindet sie kaum wieder- ebenso wie die Späte Goldrute (Solidago gigantea),auch Riesen-Goldrute genannt, die ähnlich verbreitet ist, dabei aber bislang weniger häufig auftritt.

„Die Kanadische und die Riesen-Goldrute treten oft zusammen auf, wir können beide Arten längst nicht mehrvöllig eindämmen, nur in ihrem Bestand schwächen“, beklagt der NABU Lippe. „Erfolge zeigen sich aber dort, wo- etwa auf Naturschutzflächen- eine Schafbeweidung durchgeführt wird.Sinnvoll ist die Kombination Mahd und Beweidung durch Schafe, denn Schafe fressen die jungen Pflanzen vollständig weg, nehmen aber bei älteren Pflanzen leider nur noch die Blätter auf“, so die Naturschützer.

(c)NABU Lippe/E.Thies
(c)NABU Lippe/E.Thies

Wo die schwer bezwingbaren Neophyten wuchern, wachsen die Probleme. Die beiden Goldruten-Arten be­dro­hen vor allem Mager-und Sandrasen, Brachflächen und Streu­wiesen, da sie dort schwä­cher wüchsige, lichtlieben­de Arten überwachsen. Und sie verbreiten sich gerne entlang der Straßenränder. Auf Brachflächen führen dichte Goldrutenbestände außerdem dazu, dass die natürli­che Sukzession (Nachfolge anderer Pflanzen) verhindert wird, da unter den Pflanzen kaum noch Gehölze kei­men können.

Da viele invasive gebietsfremde Arten unerwünschte Auswirkungen auf einheimische Tiere und Pflanzen, Biotope oder Lebensgemeinschaften haben, hat die EU im Frühjahr die „Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Prävention und die Kontrolle der Einbringung und Verbreitung invasiver gebietsfremder Arten" verabschiedet.
Da ist es schon verwunderlich, dass ALDI-Nord unter der Marke „Garden Feelings“ ganz aktuell die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) als Bienengarten-Staude anbietet und diese mit  einem Logo unter dem Motto“ Dafür schwärmen Bienen“ bewirbt.