NABU-Projekte


Leckerer Apfelsaft von hemischen Streuobstwiesen

Seit 1991 läßt der NABU Lippe aus den Früchten der vereinseigenen Streuobstwiesen Apfelsaft herstellen. Hierdurch sollen die Apfelbäume auf den lippischen Obsthöfen als Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Bilche und Insekten bewahrt werden. Gleichzeitig werden abgehende Bäume durch alte, heimische Obstsorten ersetzt. Durch Pacht und Kauf konnten zahlreiche Obsthöfe als landschaftsprägendes Element vor der Rodung bewahrt werden.

 

Die Fruchtsaftkelterei Wernicke aus Helpup presst den Saft und füllt ihn ab. Zu beziehen ist der Apfelsaft an folgenden Stellen:

 

  • NABU Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof, Hahnbruchweg 5, 32760 Detmold
  • Biologische Station Lippe, Domäne 2, 32816 Schieder - Schwalenberg

 


Landschaftspflege mit bedrohten Nutztierrassen

Rotes Höhenvieh - Eine vom Aussterben bedrohte Rinderrasse lebt wieder auf

„Es ist die Fahrkuh, die jegliche Gespannarbeit ausführen muß. Im Frühjahr zieht sie unentwegt Furche auf Furche zu schrägem, buckeligen Reine, damit den schmalen Ackerbeeten das Sommerkorn einverleibt werden kann. Fuder auf Fuder bringt sie unermüdlich den kostbaren, über Winter bis zur Fensterhöhe der Wohnstube aufgesetzten Mist die steilen Berge hinan, wenn zwei Kühe es nicht schaffen, dann im Verein mit vieren, fünfen oder gar sechsen... Gutwillig geht die Fahrkuh nach dem Zurufe des Herren.“ (aus Rodenbeek 1930. Das Vogelsberger Rind)

Die Rede ist vom Roten Höhenvieh, einem kleinen, robusten und einfarbig rotem Rind, dass trotz der kärglichen Bedingungen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft der deutschen Mittelgebirge sehr leistungsfähig war. Das Rote Höhenvieh war ein klassisches Dreinutzungsrind, dass Milch, Fleisch und Zugkraft lieferte. Bei Zugleistungswettbewerben um 1900 waren die Rinder unübertroffen und erzielten stets erste Preise. Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurde die ausgeprägte Zugleistung des Roten Höhenviehs plötzlich wertlos. Die Rasse wurde so mehr und mehr verdrängt, bis es schließlich nur noch einzelne Tiere gab, die zudem nicht mehr reinrassig waren. Erst um 1980 setzte sich unter engagierten Tierzüchtern und Landwirten die Erkenntnis durch, alte Haustierrassen mit ihren speziellen Rasseeigenschaften zu erhalten.

Auf Dauer erhalten werden kann die Rasse aber nur, wenn eine sinnvolle Nutzung möglich ist. Die Zugleistung der Rinder wird nicht gebraucht und die Milchleistung ist gegenüber Milchrassen viel zu niedrig. Aber in der Fleischerzeugung in Form der Mutter-kuhhaltung haben sich mittlerweile Einsatzmöglichkeiten für das Rote Höhenvieh entwickelt. Auf dem Rindfleischmarkt bietet das Rote Höhenvieh aufgrund der sehr guten Fleischqualität gute Chancen in der Direktvermarktung. Für die Mutterkuh-haltung von Vorteil sind die Leichtkalbigkeit, gute Muttereigenschaften, ausreichende Milchleistung für die Saugkälber, Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit und Robustheit der Tiere. Auch zur Landschaftspflege lassen sich die Tiere wegen ihrer Genügsamkeit besonders gut auf kargen, ertragsschwachen Hängen oder in Feuchtwiesen einsetzen, die aus Naturschutzsicht besonders wertvoll sind. Aufgrund ihres geringen Gewichtes, der harter Klauen und Beweglichkeit sind sie hier vielen anderen Fleischrinderrassen überlegen.

Diese Vorteile hat auch der NABU Lippe erkannt und 1999 10 weibliche Tiere und einen Zuchtbullen mit Förderung des Naturparks Eggegebirge und südlicher Teutoburgerwald erworben. Es konnte Landwirte gefunden werden, die seitdem die Tiere halten und die Pflege von wertvollen Grünland durch Beweidung sicherstellen, u.a. am Rolfschen Hof in Berlebeck (s. Bild links) und in Oettern-Bremke (bei Detmold). Seit 2002 wird auch in Schlangen-Kohlstädt Rotes Höhenvieh gehalten, um u.a. die NABU-Flächen am Twetenberg mit den Tieren zu pflegen. Darüber hinaus hält auch das Freilichtmuseum in Detmold seit Jahren ein paar Tiere und setzt diese bei Vorführungen auch zur Zugarbeit ein. Insgesamt gibt es zur Zeit etwa 25 Tiere in Lippe, deren Zahl weiter steigen soll. Und vielleicht finden sich ja auch noch weitere Halter, die Interesse an dieser alten Haustierrasse haben.

Ansprechpartner zum Thema Rotes Höhenvieh beim NABU Lippe:

Dirk Tornede, Lippspringer Str. 70, 33189 Schlangen. Tel 05252 - 7355


Landschaftspflege mit Skudden - wenn der Bock zum Gärtner wird...

Alle drei Farbeinschläge der Skudden. Foto: Dr. K. Steinheider
Alle drei Farbeinschläge der Skudden. Foto: Dr. K. Steinheider

Bedrohte Lebensräume wie magere Wiesen, Halbtrockenrasen und Obsthöfe werden im lippischen Norden (Extertal, Dörentrup) mit Skudden beweidet. Diese kleine bedürfnislose Schafrasse ist besonders geeignet eine Verbuschung dieser oft nicht mehr genutzten Biotope aufzuhalten. Wir versuchen die ursprüngliche Nutzung, die zu der Insekten- und Pflanzenvielfalt geführt hat, wieder aufzunehmen. Hierbei wird allerdings die Idylle des Hirten von früher durch das Elektronetz und den Koppelzaun ersetzt. Wesentlich aufwändiger ist die Pflege der Streuobstweisen: die Obstbäume, besonders Apfelbäume, müssen gut gegattert werden, da die Skudden stark schälen.

Altbock. Foto:Dr. K. Steinheider
Altbock. Foto:Dr. K. Steinheider

Der NABU Lippe wählte vor 15 Jahren die Skudden zur Landschaftspflege, da hierdurch auch ein Beitrag zur Erhaltung einer vom Aussterben bedrohten Haustierrasse geleistet wurde. Die Biotoppflege hat dieser kommerziell uninteressanten, kleinsten deutschen Schafrasse wieder eine neue Überlebenschance gegeben. Unser Zuchtstamm geht auf 30 Muttertiere zurück, die in den 80er Jahren aus Litauen nach Lippe importiert wurden. Die Herdbuchzucht beim NRW-Schafzuchtverband erfolgt in den Farbschlägen weiß, schwarz und rotbraun. Seit einigen Jahren wird hierbei die Scrapieresistenzzucht durch Gentypisierung betrieben.

Überschüssige Tiere unserer Pflegetruppe stehen zum Verkauf. Bei Interesse bitte eine E-Mail an folgende Adresse: judith.steinheider@gmx.de