Für Mensch und Natur

Willkommen beim NABU Lippe


Rotmilan in Schlangen wurde vergiftet

NABU Lippe erstattet Anzeige

Die Finderdes toten Rotmilan (v.r.): Simon, Lukas, Jonathan                                                      C: D. Tornede                       

 

 

Für die Kinder der Familie Traut, die am Schlänger Bach spielten, war es am 6. April eine grausige Beobachtung, als sich ein Rotmilan auf einen Baum setzte, etwas herauszuwürgen versuchte und dann vom Baum fiel. „Hier stimmt was nicht. Wurde der Vogel vergiftet? Das müssen wir jemanden melden“ waren die ersten Gedanken vom Vater Paul Traut. Und jetzt war schnelles Handeln gefragt, denn der tote Rotmilan zeigte keinerlei äußerliche Verletzungen. „Ich danke der Familie Traut sehr, die mich unverzüglich informiert hat“ so Dirk Tornede von der NABU Gruppe in Schlangen. Auch für ihn schien aufgrund der Beobachtung eine Vergiftung naheliegend. Er wusste, eine toxikologische Untersuchung muss nun zeitnah erfolgen, damit das Gift noch nachgewiesen werden kann. In Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Lippe hat er den Tierköper zum Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe (CVUA OWL) nach Detmold gebracht. Die toxikologische Untersuchung hat dann die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München übernommen. In der Leber des toten Rotmilanweibchens konnten die Wissenschaftler in München Rückstände von Carbofuran nachweisen.

 

Die Experten des CVUA OWL stellen in ihrer Beurteilung, die dem NABU Lippe vorliegt, fest: „Die Todesursache des untersuchten Tieres ist ein akutes Herz- und Kreislaufversagen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Folge einer Intoxikation durch Carbofuran“. Carbofuran ist hoch toxisches Pestizid, das mittlerweile als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassenen ist. Bei Greifvögeln kann es durch die Aufnahme Carbofuran-belasteter Futtertiere zu einer Vergiftung kommen.

 

Neben dem grausamen Abschuss eines brütenden Rotmilanweibchen auf dem Horst in Borchen-Dörenhagen im benachbarten Kreis Paderborn im April diesen Jahres ist dieser Vorfall ein weiterer schwerer Rückschlag für die Rotmilanpopulation in OWL. In den Kreisen Lippe, Paderborn und Höxter besteht ein Verbreitungsschwerpunkt dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Das weltweite Brutgebietes des Rotmilans ist im Wesentlichen auf Europa beschränkt. „Da in Deutschland über die Hälfte des weltweiten Bestandes brütet, tragen wir eine hohe Verantwortung für den Fortbestand dieser geschützten Greifvogelart“ erläutert Bernd Milde, Vorsitzender des NABU Lippe. Speziell bei der Auswahl von Vorrangzonen oder einzelnen Standorten für Windkraftanlagen steht der Rotmilan als windkraftsensible Art im Fokus und muss besonders beachtet werden. Mit diesem aktuellen Befund stellen sich für Bernd Milde einige Fragen: „Wurden hier gezielt vergiftete Köder ausgelegt, um Rotmilane zu vergiften? Soll die Rotmilan-Population in Schlangen durch solche illegalen Maßnahmen reduziert werden, damit die Windenergie in Schlangen stärker ausgebaut werden kann?“

 

Der NABU Lippe hat wegen der Vergiftung des Rotmilans Anzeige erstattet. Falls jemand Anfang April in Schlangen und Umgebung ungewöhnliche Beobachtungen gemacht hat, die Hinweise auf das Auslegen von Ködern geben könnten oder sachdienliche Hinweise machen kann, bittet der NABU Lippe um Rückmeldung (kontakt@nabu-lippe.de).

 

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Für Rückfragen:

 

NABU Lippe, Bernd Milde, Tel.: 05231-22077 / NABU Schlangen, Dirk Tornede, Tel. 05252-7355

 


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